Content Credentials

KI-generierte Bilder und Deepfakes werden immer realistischer. Content Credentials sollen helfen, digitale Inhalte transparenter und überprüfbarer zu machen. Wir erklären, was dahintersteckt, wie der Echtheitsnachweis funktioniert und warum er für Marken, Medien und Agenturen immer wichtiger wird.

Das erwartet euch

Wenn man nicht mehr weiß, was echt ist

Kennt ihr das? Ihr scrollt durch eure Reels auf Instagram und geratet in den Loop des Algorithmus. Traumhafte Resorts, aufwändig inszenierte Gerichte, beängstigende Videos von Wassermassen, die Brücken wegreißen, Hunde, die Tricks auf dem Skateboard zeigen. Vieles davon wirkt zu absurd, um wahr zu sein.

Genau darin liegt das Problem: Deepfakes wirken heute täuschend echt, Falschinformationen verbreiten sich rasant, und die Glaubwürdigkeit von Inhalten steht auf dem Spiel. Je realistischer KI-Modelle werden, desto schwerer lässt sich trotz guter Medienkompetenz beurteilen, was stimmt und was nicht.

Besonders im politischen Kontext ist das brisant: Werden Politikerinnen und Politikern Falschaussagen in den Mund gelegt, bedroht das die Demokratie direkt. Umso wichtiger sind Werkzeuge, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit von Inhalten ausräumen. Wie das aussehen kann, zeigen wir euch am Beispiel der Content Credentials.

Als Performance Marketing Agentur beschäftigen wir uns täglich mit digitalen Inhalten und ihrer Wirkung, deshalb ist uns Transparenz bei KI-generiertem Content ein besonderes Anliegen.

Content Credentials

Warum Content Credentials gerade jetzt wichtig werden

Weltweit entstehen täglich rund 400 Quintillionen Bytes an Daten. 90 Prozent davon wurden erst in den letzten zwei Jahren erzeugt, Tendenz weiter steigend.

Gleichzeitig entwickeln sich KI-Modelle rasant weiter: schneller, günstiger, leistungsfähiger. Was vor wenigen Jahren noch an verzerrten Gesichtern und zu vielen Fingern zu erkennen war, lässt sich heute kaum noch von echten Aufnahmen unterscheiden.

Auch im Performance Marketing verändert KI gerade massiv, wie Inhalte entstehen, ausgespielt und bewertet werden. Mehr dazu findet ihr in unserem Beitrag zu Chat GPT Ads.

Schaut man sich die Coca Cola Ad von 2024 an, wird der Fortschritt den KI in den letzten Jahren in Richtung Realismus gemacht hat, besonders deutlich. 

Kurz gesagt:

  • Die Menge an digitalem Content wächst exponentiell.
  • KI-generierte Bilder und Videos werden immer realistischer.
  • Die Unterscheidung zwischen echtem und künstlich erzeugtem Content wird für euch als NutzerInnen zunehmend schwieriger. Gerade bei Creatives wird deshalb nicht nur die Optik wichtiger, sondern auch die Frage, wie glaubwürdig und nahbar ein Inhalt wirkt. Welche visuellen Ansätze aktuell besonders gut funktionieren, zeigen wir euch in unserem Beitrag zu Design-Trends für performantere Ads.

Was sagt der EU AI Act zur Kennzeichnung von KI-Inhalten?

Der EU AI Act (Verordnung (EU) 2024/1689) ist seit dem 1. August 2024 in Kraft. Er verfolgt einen risikobasierten Ansatz und soll den Einsatz von KI sicher, transparent und nachvollziehbar gestalten.

Für die Glaubwürdigkeit von Inhalten besonders relevant ist Artikel 50: Er verpflichtet Anbieter und Betreiber bestimmter KI-Systeme dazu, KI-generierte oder manipulierte Inhalte erkennbar zu machen. Diese Transparenzpflicht gilt ab dem 2. August 2026, nicht rückwirkend für bereits veröffentlichte Inhalte.

Wichtig für euch zu wissen: Die Pflicht greift nicht ausnahmslos für „alle“ Inhalte. Reine Produkttexte, Marketing-Inhalte oder redaktionell geprüfte Texte mit klarer menschlicher Verantwortung sind in vielen Fällen ausgenommen. Betroffen sind vor allem Deepfakes sowie Bild-, Video-, Audio- und Textinhalte, die die Öffentlichkeit über Themen von öffentlichem Interesse informieren sollen.

Trotz dieser Ausnahmen ist der EU AI Act der Startschuss für einen Paradigmenwechsel: Transparenz soll zum Standard werden, und genau dafür braucht es passende Werkzeuge, wie die Content Credentials.

EU AI Act Risikobasierter Ansatz Content Credentials

Was sind Content Credentials?

Content Credentials sind eine Art digitaler Echtheitsnachweis. Sie helfen dabei, zwischen KI-generierten und von Menschen erstellten Inhalten zu unterscheiden und stärken so die Glaubwürdigkeit von Inhalten im gesamten digitalen Ökosystem.

Technisch handelt es sich um eine Art digitalen Beipackzettel, der als Metadatensatz an ein Bild, ein Video oder eine Audiodatei angehängt wird. Er enthält unter anderem:

  • Angaben zur Autorenschaft
  • das Erstellungsdatum
  • die Bearbeitungshistorie
  • die verwendete Software
  • ein Protokoll aller vorgenommenen Änderungen

Der Datensatz wird kryptografisch gehasht und signiert. Das macht ihn manipulationssicher: Jede Änderung am Bild oder an den Metadaten wird sichtbar. Für euch als ErstellerInnen von Content bedeutet das auch: Content Credentials können als Urheberrechtsnachweis dienen und eure Rechte an euren Inhalten stärken.

Wer steckt hinter der Idee?

Die Content Credentials gehen auf die Content Authenticity Initiative (CAI) zurück. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss aus Unternehmen, Medienhäusern und Nichtregierungsorganisationen. Gegründet wurde die CAI 2019 von Adobe gemeinsam mit der New York Times Company und Twitter (heute X).

Mittlerweile zählt die Initiative mehrere Tausend Mitglieder, darunter unter anderem Microsoft, Qualcomm, Nikon, die BBC, die Associated Press und die Bundesdruckerei. Gemeinsam verfolgt die Community folgende Ziele:

  1. Desinformation und Manipulation bekämpfen
  2. Vertrauen in digitale Inhalte stärken
  3. Transparenz fördern
  4. Ein offenes Ökosystem schaffen

Die technische Grundlage liefert der C2PA-Standard. Er wurde 2021 von der Coalition for Content Provenance and Authenticity (C2PA) ins Leben gerufen, einem Zusammenschluss unter anderem von Adobe, Microsoft, Arm, Intel, der BBC und Truepic. Der Standard legt fest, wie Content Credentials technisch aufgebaut, eingebettet, gespeichert und ausgelesen werden.

Content Credentials

CAI und C2PA im Vergleich:

Organisation Fokus
CAI (Adobe-geführt) Entwicklung neuer Funktionen,
Open-Source-Tools, Aufbau einer
Community rund um
Content-Authentizität
C2PA Offene technische Standards für
ErstellerInnen, RedakteurInnen,
VerlegerInnen, Medienplattformen
und KonsumentInnen

Wie funktionieren Content Credentials? In 4 Schritten erklärt

  1. Erfassung: Beim Erstellen eines Inhalts, etwa mit einer Kamera wie der Leica M11-P oder einem Tool wie Adobe Firefly, wird ein eindeutiger digitaler Fingerabdruck erzeugt und als Hash-Wert gespeichert.
  2. Signierung: Der Hash-Wert wird mit einem digitalen Zertifikat signiert. Das bestätigt die Identität der Erstellerin oder des Erstellers sowie die Echtheit der Angaben.
  3. Verknüpfung: Die Content Credentials bleiben an die Datei angehängt, egal ob sie auf Social Media geteilt oder auf einer Website veröffentlicht wird. Alternativ lassen sie sich als separate Datei mitliefern.
  4. Prüfung: Eine Auslese-Software berechnet den aktuellen Hash-Wert des Inhalts und vergleicht ihn mit dem gespeicherten Wert. Stimmen beide überein, gilt der Inhalt als unverändert. Weicht der Wert ab, wird die komplette Bearbeitungshistorie sichtbar.

Schon eine einzige veränderte Pixelfarbe reicht aus, damit sich der Hash-Wert ändert. So wird jede noch so kleine Abweichung vom Original erkennbar.

Content Credentials einbetten: So geht's Schritt für Schritt

Für eure eigenen Inhalte lassen sich Content Credentials in wenigen Schritten aktivieren:

  • Adobe Firefly: Hier werden Content Credentials automatisch in jede erstellte Datei eingebettet.
  • Photoshop: Wenn Dateien in Photoshop bearbeitet werden, lassen sich unter
    Fenster > Content Credentials (Beta) > Content Credentials aktivieren die Content Credentials aktivieren. Unter
    Photoshop > Einstellungen > Protokoll & Content Credentials
    lässt sich außerdem die Einstellung für gespeicherte Dokumente mit Content Credentials aktivieren, um Content Credentials standardmäßig für alle neuen Dokumente zu aktivieren. Wählt dazu für neue und gespeicherte Dokumente mit Inhaltszugangsdaten aktivieren, um sicherzustellen, dass die Änderungen von Anfang bis Ende erfasst werden.
  • Kameras mit Unterstützung: Bei Kameramodellen wie der Leica M11-P reicht es, die entsprechende Option zu aktivieren, damit jedes Foto direkt mit Content Credentials versehen wird.

Wie kann ich Content Credentials auslesen?

Wollt ihr die Echtheit eines Inhalts überprüfen, habt ihr mehrere Möglichkeiten:

Alle drei Optionen zeigen euch an, ob ein Inhalt verändert wurde und welche Bearbeitungsschritte dokumentiert sind.

content credentials

Content Credentials in der Praxis: Ein Ausblick

Content Credentials sind längst keine Zukunftsmusik mehr. Als Performance Marketing Agentur begegnen uns die Optionen zur Einbettung von Content Credentials regelmäßig in der Adobe-Software-Umgebung, etwa wenn wir Kampagnenmaterial für KundInnen aufbereiten.

Auch Hardware-Hersteller ziehen mit: Der deutsche Kamerahersteller Leica hat mit der M11-P als erster Anbieter eine Kamera mit integrierter Unterstützung für Content Credentials auf den Markt gebracht.

Besonders im Journalismus gewinnen Content Credentials an Bedeutung, um Bilder und Videos vor der Veröffentlichung zu verifizieren und so Desinformation entgegenzuwirken. Dass Unternehmen wie Google und Meta die Initiative unterstützen, ist ein starkes Signal: Die Glaubwürdigkeit von Inhalten wird zu einem Thema, das die gesamte Branche betrifft, von TechnikherstellerInnen bis zu Agenturen wie uns.

Damit sich Content Credentials flächendeckend durchsetzen, braucht es weiterhin das Zusammenspiel vieler Akteurinnen und Akteure im digitalen Ökosystem.

Eure Fragen

FAQ

Wie kann KI den Recruiting-Prozess effizienter machen?

Content Credentials sind digitale Echtheitsnachweise, die als Metadaten an ein Bild, Video oder eine Audiodatei angehängt werden. Sie zeigen, wer einen Inhalt erstellt hat, wann und mit welcher Software er bearbeitet wurde.

Sind Content Credentials gesetzlich vorgeschrieben?

Nein, direkt nicht. Der EU AI Act verpflichtet ab dem 2. August 2026 zur Kennzeichnung bestimmter KI-generierter Inhalte über Artikel 50. Content Credentials sind ein technisches Werkzeug, mit dem sich diese Kennzeichnung praktisch umsetzen lässt.

Kann man Content Credentials fälschen oder entfernen?

Die kryptografische Signatur macht Manipulationen sichtbar. Wird ein Inhalt verändert, stimmt der gespeicherte Hash-Wert nicht mehr mit dem aktuellen überein, und die Abweichung wird erkennbar.

Welche Programme unterstützen Content Credentials?

Aktuell unter anderem Adobe Firefly, Photoshop und weitere Adobe-Anwendungen sowie Kameras wie die Leica M11-P. Die Zahl der unterstützenden Tools und Hersteller wächst kontinuierlich.

Wie kann ich als NutzerIn prüfen, ob ein Bild echt ist?

Ihr könnt Inhalte über die Website verify.contentauthenticity.org oder den Content Credential Viewer von Adobe hochladen und die hinterlegten Content Credentials einsehen.

Was ist der Unterschied zwischen CAI und C2PA?

Die CAI treibt als Community die Entwicklung neuer Funktionen und Open-Source-Tools voran. Die C2PA liefert dazu den offenen technischen Standard, auf dem Content Credentials aufbauen.

Schützen Content Credentials vor Deepfakes?

Content Credentials verhindern Deepfakes nicht direkt, machen aber sichtbar, ob ein Inhalt KI-generiert oder nachträglich verändert wurde. Damit tragen sie wesentlich zur Glaubwürdigkeit von Inhalten bei.

Performance Marketing Agentur

Starke Performance braucht nicht nur gute Kampagnen, sondern auch Vertrauen in die Inhalte. Als Performance Marketing Agentur entwickeln wir kanalübergreifende Setups, die Strategie, datenbasierte Optimierung und überzeugende Creatives verbinden. Gerade in Zeiten von KI-generiertem Content wird Transparenz immer wichtiger, ob bei Meta, TikTok, LinkedIn, Pinterest oder Google Ads.

Unser Team kombiniert hochwertige Stills, Videos und UGC mit sauberem Tracking, Live Reporting und klarer Auswertung entlang eurer KPIs. So entstehen Kampagnen, die nicht nur Reichweite schaffen, sondern messbare Ergebnisse liefern.

Ihr möchtet wissen, wie euer Setup performanter und zukunftssicherer werden kann? Dann starten wir mit einem unverbindlichen Audit und zeigen euch, wo echte Potenziale liegen. 🚀

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 4.7 / 5. Anzahl Bewertungen: 3

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Meet the author

Marie

Marie ist Teil des Design-Teams. Als helfende Hand unterstützt sie in allen internen und externen Design-Bereichen und zaubert mit Farben, Formen, Bildern und Bewegung aufregende Inhalte.

Performance

Wie gut ist dein Performance Marketing? Du schaltest bereits Werbung, aber die Performance könnte besser sein? Gerne schauen wir uns zunächst dein bestehendes Konto an und erstellen für dich eine individuelle Analyse.

Mehr dazu
Ei Gude
Kontakt
Lasst uns darüber sprechen, welche Marketingmaßnahmen für euer Unternehmen sinnvoll sind.
Teamfoto ZweiDigital Performance Marketing Agentur